Bilderauswahl Fotograf

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich die Auswahl an Bildern ausfällt, obwohl sie aus dem selben Bestand ausgesucht werden. Gelegentlich kommt es vor, dass es ein oder zwei Bilder gibt, die bei mir und beim Model zu den Favoriten zählen, aber dass es eine komplette übereinstimmende Auswahl gibt, kommt eigentlich nie vor. Daraus ergibt sich die Frage: „Woran liegt das?“.

Die Voraussetzungen zur Bildauswahl?

Exemplarisch nehme ich mal eines meiner letzten Shootings, denn eigentlich laufen alle meine Bildstrecken nach dem gleichen Muster ab. Anhand des Moodboards werden zusammen mit dem Model die Bilder erstellt. Nachdem die unscharfen, Lichttests, schlecht belichteten und sonstigen unschönen Bilder aussortiert wurden, bleiben so um die 40 bis 80 Bilder übrig. Das ist der Pool, aus dem das Model und ich die finale Auswahl treffen. In der Regel werden dann von jedem, abhängig vom Thema, zwischen 2 bis 5 Bilder zur Bearbeitung ausgewählt.

Es muss also an den unterschiedlichen Auswahlkriterien von Fotograf und Model liegen. Um genau dieser Frage nachzugehen, habe ich das Model SueM. gefragt und werde in einem anderen Beitrag ihre Kriterien besprechen.

Meine Kriterien bei der Bilderauswahl

Nun, meine Kriterien kenne ich ziemlich gut. Neben dem Erreichen der eigentlichen Bildidee kommen bei mir häufig viele technische Aspekte zum Tragen. Zum Schluss sind es noch stilistische Gründe, die mich beeinflussen, aber die werden häufig schon bei der Aufnahme berücksichtigt.

Die Bildidee steht natürlich im Vordergrund. Diese ist ja mit dem Model im Vorfeld besprochen worden. Dabei stehen neben Stimmungen auch Adjektive im Fokus. Also welche Stimmung oder Bildaussage soll vermittelt werden. Entspricht das Bild bzw. die Bilder diesen Kriterien, dann kommt es zu den Favoriten.
In einem weiteren Durchgang wähle ich aus diesen Favoriten dann die Bilder nach den technischen Aspekten aus. Liegt wirklich das im Fokus, wo ich die Schärfe haben will? Ist das Bild vom Kontrastumfang so, wie ich es mir gedacht habe? sind die Schatten da, wo ich sie haben will? Hier vor allem die Form des Nasenschattens. Stimmen die Farben? Das ist auch für die Schwarz-Weiß Umsetzung wichtig, denn Rottöne können da schnell in ein unschönes Grau abdriften.

Viele dieser Kriterien berücksichtige ich schon bei der Bilderstellung. Bin ich es doch, der das Licht aufbaut, das Model sieht und die Posen anleitet. Daneben wähle ich ja die notwendige Optik, sprich Brennweite, und drücke auf den Auslöser. Alles Faktoren, die ich direkt beeinflussen kann, und doch ist nicht jedes Bild gleich von Anfang an perfekt. Es ist ein Prozess, bei dem wir uns, also das Model und ich, auf ein Ergebnis hinarbeiten.

Kriterien anderer Fotografen bei der Bildauswahl

Auch im Gespräch mit anderen Fotografen habe ich festgestellt, dass es ihnen wie mir geht. Sie wählen überwiegend nach dem gleichen Schema aus. Zuerst geht es um die technischen Gründe wie Schärfe, Bildkomposition, Lichtsetzung. Dazu kommt dann das Erreichen der Bildidee und dann die persönlichen Vorlieben jedes einzelnen. Das kann wie bei mir die Form des Nasenschattens, die Lichtsetzung oder der Bildausschnitt sein. Andere Fotografen habe da ganz andere Vorlieben.

Zusammenfassend kann ich nur feststellen, es sind eigentlich immer die technischen, gestalterischen oder persönlichen Gründe, die ein Bild zu einem Favoriten für den Fotografen machen. Ob das bei einem Model genauso ist, das klären wir dann in 14 Tagen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.